Mittagsweiser — die Stele zeigt das Datum
Was die Kurve zeigt, die über dem Domplatz eingeblendet wird.
Fotografiert man die Sonne ein Jahr lang immer zur gleichen bürgerlichen Uhrzeit — hier 13:00 Uhr Wandzeit — und zeichnet alle Positionen in ein Bild, steht sie nicht jedes Mal am selben Fleck. Sie beschreibt eine schlanke, schief stehende Acht: das Analemma. Es ist also der Jahresverlauf, nicht der Tagesverlauf.
Zwei Effekte überlagern sich dabei:
Die Ost-West-Auslenkung ist genau die Zeitgleichung: die Differenz zwischen wahrer Sonnenzeit und mittlerer Uhrzeit. Sie schwankt zwischen etwa +16 Minuten Anfang November und −14 Minuten Mitte Februar und wird nur an vier Tagen im Jahr null. Genau deshalb fällt der wahre Mittag — der Moment, in dem der Lichtfleck die Meridianlinie trifft — fast nie auf eine glatte Uhrzeit. Mit den Sprungpunkten „3. Nov." und „11. Feb." lässt sich das direkt vergleichen.
Dass die Acht ungleich große Schleifen hat, liegt daran, dass die beiden Effekte nicht im Gleichtakt laufen: die untere Schleife (Winter) fällt breiter aus als die obere (Sommer).
Ein Denkmal für Georg Joachim Rheticus (1514–1574), den in Feldkirch geborenen Mathematiker und Wegbereiter des kopernikanischen Weltbilds.
Das Denkmal auf dem Domplatz ist eine rund 3 Meter hohe steinerne Stele mit einem Querbalken — ihr Schatten wirft die Form eines Kreuzes auf den Platz. Oberhalb des Querbalkens befindet sich eine kreisrunde Öffnung. Scheint die Sonne, wirft sie durch diese Öffnung einen hellen Lichtfleck auf den Boden.
Genau beim wahren Mittag — wenn die Sonne exakt im Süden ihren höchsten Punkt erreicht — wandert der Lichtfleck über eine im Boden eingelassene Datumsskala, die sich etwa 1 bis 9 Meter nördlich der Stele erstreckt. Wo der Fleck die Mittellinie kreuzt, lässt sich das Datum ablesen: Im Sommer steht die Sonne hoch, der Fleck fällt nahe an die Stele; im Winter steht sie tief, und der Fleck landet weit draußen am Ende der Skala.
Der wahre Mittag richtet sich nach der Sonne, nicht nach der Uhr: In Feldkirch findet er je nach Jahreszeit etwa zwischen 12:20 Uhr (Winter, MEZ) und 13:40 Uhr (Sommer, MESZ) statt. Die Abweichung entsteht durch die Zeitzone, die geografische Länge und die sogenannte Zeitgleichung.
Tipp für Besucher*innen: Am schönsten ist die Ansicht „Skala" kurz vor dem wahren Mittag — dann sieht man, wie der Lichtstrahl das heutige Datum trifft.